Leserforum
Die charakterliche Größe fehlt
Zur Entlassung von Handball-Trainer Norbert Senft beim TV Etwashausen:
Für Außenstehende bleibt nur die Bewertung des Sachverhaltes der Trainerentlassung, ohne die fachliche Qualifikation des Herrn Senft als Handballtrainer beurteilen zu können. Der alte und neue Trainer Willy Taborsky bezeichnet unumwunden die Trainingsarbeit von Norbert Senft als „okay“ und ist damit der erste „Insider“, der die fachliche Qualifikation des Ex-Trainers bestätigt. Ein weiteres Kriterium einer erfolgreichen Trainerarbeit findet sich beim Blick auf die Tabelle der Bezirksoberliga Männer: Der TV Etwashausen ist Tabellenführer. Das ist ja erstaunlich! Ist nicht heutzutage im Sport die Platzierung das Maß aller Glückseligkeit? Steht da nicht der TV Etwashausen auf einem Tabellenplatz, den sich die Spieler, die Verantwortlichen und der Trainer nach eigenen Aussagen zu Beginn der Saison gar nicht selbst zutrauten? Damit könnte ich zumindest das Urteil wagen, dass die gute Trainingsarbeit mit der vom Trainer in Eigenverantwortung aufgestellten Mannschaft zum Erfolg führte. Sportlich gesehen geht es also nicht besser.
So bleibt noch die Frage nach dem Charakter und der Mentalität der beteiligten Spieler, des Trainers und auch der Verantwortlichen. Dass in den höheren Sphären der Fußball-Bundesliga, wie wohl in allen höheren Ligen, das „Risiko“ des Trainerjobs mit hochdotierten Verträgen versüßt und damit der moralische Anspruch auf Anstand, Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen abgekauft wird, daran sind die Zuschauer und Fans bereits gewöhnt. Wenn aber in einer Handball-Bezirksoberliga-Mannschaft des „starken Geschlechts“ – also der Männer – der Mut, die Offenheit, die Direktheit – ja, schlichtweg: die charakterliche Größe fehlt, den Trainer über persönliche und/oder mannschaftliche Befindlichkeiten in einer offenen Mannschaftssitzung zu informieren, bevor in einer geheimen Spielersitzung ein Mehrheitsurteil über den Trainer gefällt wird, ist das schlichtweg hinterrücks und feige.
Wenn sich schon die Rädelsführer versteckt halten, bleibt zu hoffen, dass zumindest die Spieler, die sich in dieser Sitzung nicht gegen den Trainer aussprachen, den Mut haben, öffentlich ihre Zufriedenheit mit dem Trainer zu bekennen. Sollten es tatsächlich, wie es die Aussage von Norbert Senft erkennen lässt, ältere Spieler gewesen sein, die gegen ihn den Dolchstoß setzten, ist auch die vielzitierte Vorbildfunktion der älteren für die jüngeren Spieler nichts mehr als eine hohle Phrase. Und den Verantwortlichen des TVE wäre es gut angestanden, zumindest ein klärendes Gespräch zwischen Spieler und Trainer zu organisieren, bevor sie die Floskel „Der Trainer ist immer das schwächste Glied“ als Rechtfertigung ihrer überstürzten Entscheidung zitieren. Sicher: Auch der Trainer muss sich fragen, ob ihm nicht die Sensibilität für die persönliche Unzufriedenheit mancher seiner Spieler abging. Mit Sport und Fairness haben jedenfalls diese Vorkommnisse beim TV Etwashausen nichts mehr zu tun.
Gertraud Segerer-Milde 97337 Dettelbach
Quelle:
www.mainpost.de