von Trainer » 11.05.2009, 10:02
Interview der Fürther Nachrichten mit Zeljko Cokesa vom 07.05.2009
„Wir sind schon am Ziel“
HG-Trainer Cokeska zum Zirndorfer Frauenwunder
FÜRTH — Die Handball-Damenmannschaft der HG Zirndorf steht nach einer bravourösen Saison in der Relegation um den Bayernliga-Aufstieg. Vater des Erfolgs ist Trainer Zeljko Cokesa (36) Wir sprachen mit dem Lebensmittelchemiker, der das Team seit Beginn der Saison betreut, über den unerwarteten Erfolg, die Chancen in der Relegationsrunde und seine weiteren Ziele mit den HGDamen.
Herr Cokesa, Ihre Mannschaft gehörte im Vorfeld der LandesligaSaison nicht zum Favoritenkreis. Wie überraschend kommt für Sie der aktuelle Erfolg?
Cokesa: Ich kannte zwar die Landesliga Nord von der Stärke her nicht, wusste aber, dass meine Mannschaft, so wie ich sie übernommen hatte, über ein gutes Potenzial verfügte, das natürlich noch ausbaufähig war. Ich habe intern gehofft, dass wir mit diesem Team unter die ersten Sechs kommen.
Woher kommt die positive Entwicklung?
Cokesa: Die Mannschaft ist insgesamt sehr geschlossen, die Verantwortung liegt nicht alleine bei einer Spielerin. Dazu kam, dass wir von größeren Verletzungen verschont blieben. Das wiederum fußt auch auf der Tatsache, dass wir gute konditionelle Grundlagen gelegt haben.
Sie sprachen von einer geschlossenen Mannschaft. Gibt es dennoch besonders wichtige Spielerinnen?
Cokesa: Natürlich haben wir trotz der tollen Gesamtleistung des Teams einige sehr gute Spielerinnen wie Svenja Pfrengle, Franzi Ruzicka. Wieder andere haben im Lauf der Saison einen bedeutenden Schritt nach vorne getan. Hier fallen mir Pia Ascherl, Katrin Zielke und Yasemin Düzgün ein. Aber insgesamt zählt die tolle Mannschaftsleistung.
Durch die vor der abgelaufenen Saison in Kraft getretene Ligenreform sollten die Landesligen stärker werden. Wie schätzen Sie im Nachhinein das Niveau ein?
Cokesa: Ich hatte die Liga eigentlich stärker erwartet. Sehr gut waren insgesamt die Torwartleistungen in den verschiedenen Teams. Doch ich dachte vorher, dass mehr Auswahlspielerinnen in den Mannschaften aktiv sein würden und damit mehr individuelle Klasse eine Rolle spielt.
Wichtig ist immer auch das Umfeld eines Teams. Wie gestaltet sich das in Zirndorf?
Cokesa: Ausgesprochen gut. Wir haben eine große Fangemeinde und viele Zuschauer. Die Trainingsbedingungen sind optimal. Darüber hinaus werden wir stark von unseren Sponsoren unterstützt. Ich denke da an neue Trainingsanzüge, Einladungen zum Essen und kostenlose Busfahrten zu den Auswärtsspielen. Und auch die Verantwortlichen im Verein ziehen voll mit. Wir haben sie im Lauf der Saison begeistert.
Nun steht die Relegation gegen den Zweiten der Landesliga Süd, den VfL Günzburg an. Wie stehen die Chancen für Ihr Team?
Cokesa: (lacht) Ich würde mal sagen, 51 zu 49 für uns.
Das müssen Sie erklären.
Cokesa: Wir haben den Gegner beobachtet und ich bin sicher, dass er uns liegt. Dazu kommt, dass wir zunächst auswärts spielen und dann vor einer vollen Halle zu Hause die entscheidende Partie folgt. Die Günzburger sind sehr robust und haben ein sehr ausgeglichenes Team. Dennoch verfügen sie über mehrere Spielerinnen, die eine Partie entscheiden können.
Wie ordnen Sie den Gegner letztlich konkret im Vergleich zu Ihren bisherigen Konkurrenten ein?
Cokesa: Gegen eine solche Mannschaft haben wir bisher noch nicht gespielt. Vor allem hat Günzburg zwei Linkshänderinnen in seinen Reihen, die nicht auf schnelle und einfache Tore angewiesen sind, sondern über das normale Positionsspiel gefährlich und effektiv agieren können.
Wie sieht die taktische Marschroute aus?
Cokesa: Wir müssen sicher in der Abwehr stehen und dabei versuchen, die wurfgewaltige Silvia KuffnerMayr zu kontrollieren und den Radius der Kreisläuferin einzuschränken. Wir wollen darauf achten, dass die Partie nicht so hektisch wird und so ein möglichst knappes Ergebnis erreichen, um im Rückspiel in eigener Halle dann noch alle Chancen zu haben.
Bei einem Aufstieg würde seit einigen Jahren wieder ein Fürther Team in der Bayernliga spielen. Wie wichtig ist ein Erfolg in der Relegation auch unter diesem Gesichtspunkt für Sie?
Cokesa: Wir haben unser Ziel mit der Teilnahme an der Relegation ja schon absolut erreicht. Alles weitere wäre nun eine Zugabe und für mich natürlich eine Riesenfreude. Dennoch ist der Aufstieg in die Bayernliga nicht das Wichtigste, und auch bei einer Niederlage könnten wir erhobenen Hauptes die Saison abschließen. Trotzdem ist es natürlich mein Wunsch, in die Bayernliga aufzusteigen, und wenn schon, dann dort auch eine gute Rolle zu spielen.
Interview: MARKUS RIEDL / Veröffentlicht in den Fürther Nachrichten am 07.05.2009