Alle Ergebnisse nebensächlich, WAS BITTE IST DA VORGEFALLEN
Quelle: MAINPOST KITZINGEN
Etwashausen entlässt den Trainer
Deutliche Mehrheit der Spieler beim Tabellenführer spricht sich gegen Norbert Senft aus
Für eine Überraschung hat Handball-Bezirksoberligist TV Etwashausen außerhalb des Spielfelds gesorgt. Die Männermannschaft, derzeit Tabellenführer ihrer Liga und auf Aufstiegskurs, hat sich mit sofortiger Wirkung von ihrem Trainer Norbert Senft getrennt. Am Freitag verschickte der Verein eine Pressemitteilung. Darin teilt der TVE mit, dass sich trotz des sportlichen Erfolgs „große Teile der Mannschaft nicht mehr richtig vom Trainer angesprochen fühlten“. Senft habe einige Spieler nicht mehr erreicht. An diesem Samstag beim Spiel gegen den TV Großlangheim soll Senfts Vorgänger Willy Taborsky, zuletzt Trainer der zweiten Etwashäuser Garde, wieder bei der ersten auf der Bank sitzen.
Den Ausschlag zur Entlassung hat eine Sitzung gegeben, die am Mittwochabend innerhalb der Mannschaft stattfand, wie TVE-Ehrenvorsitzender Erwin Müller auf Nachfrage berichtete. Es habe „scheinbar ein paar unüberbrückbare Differenzen“ gegeben. Bei einer Abstimmung habe sich „die deutliche Mehrheit der Spieler“ gegen Senft ausgesprochen. Dem Verein sei in dieser Sache keine andere Wahl geblieben. Bei Unstimmigkeiten gebe es im Sport eben „gewisse Regularien. Man wechselt nie die Mannschaft aus, sondern den Trainer.“ Der Trainer sei schwächstes Glied in der Kette. Müller selbst informierte Senft am Donnerstagabend in einem persönlichen Gespräch über die getroffene Entscheidung.
Man wolle und werde „keine schmutzige Wäsche waschen“, dazu gebe es aus seiner Sicht keinen Anlass, sagt Erwin Müller. Auch er sei überrascht gewesen, dass sich die Situation innerhalb der Mannschaft des Tabellenführers so entwickelt habe. Ähnlich kommentierte es TVE-Vorsitzender Werner May, der zu den Gründen keine Auskunft geben wollte. Ihm, so Müller, tue die Trennung leid, aber er müsse auch nach vorne schauen. Bevor dem Verein vielleicht junge Spieler weglaufen und so den angestrebten Weg nach oben gefährdeten, müsse man diesen unbequemen Schritt gehen.
Derzeit liegen die Etwashäuser in der Tabelle nach Minuspunkten gerechnet vier Zähler vor dem HSV Main-Tauber. Auf die TG Höchberg und auf Waldbüttelbrunn II beträgt der Vorsprung fünf Punkte. Für den TVE hatte es einen Dämpfer, wie zuletzt das Unentschieden gegen Schweinfurt, zuvor nur bei der Heimniederlage gegen Waldbüttelbrunn II gegeben.
Trotz des sportlichen Erfolgs sickerte bisweilen leise Kritik an Trainer Senft aus Kreisen der Mannschaft durch. Das Team gilt dank vieler junger Talente aus eigenen Reihen als Mannschaft mit enormem Potenzial. Unter den Druck des Aufstiegs wollten weder der Verein, noch der erst zu dieser Saison gekommene Trainer Senft die vornehmlich jungen Spieler setzen.
Senft und die Verantwortlichen betonten auch während der Runde immer wieder, dass der Aufstieg in die Landesliga für dieses Jahr kein Muss sei. So wie die Saison jedoch bislang gelaufen ist, mit den Patzern der Konkurrenz, schob sich Etwashausen klar an die Tabellenspitze und damit in die Favoritenrolle. „Wenn es dieses Jahr klappt, haben wir auch nichts dagegen“, hatte Senft nach dem Remis gegen Main-Tauber gesagt. Er ließ sich vom Vorsprung nicht blenden, blieb kritisch, wie etwa nach dem knappen Sieg kurz vor Weihnachten gegen die TG Kitzingen. Eine Liga höher hätte seine Mannschaft mit einer solchen Leistung „mit mindestens zehn Toren Unterschied“ verloren. So sei man in der Landesliga „Kanonenfutter.“
Von Beginn der Runde an hatte Senft mit Blickrichtung auf die höheren Ziele das Trainingspensum erhöht. Freiwillig bat er zu einer weiteren, dritten Einheit pro Woche, was viele der Spieler auch akzeptierten. Den ersten Platz will Etwashausen nun bis zum Rundenende behalten. Senft selbst mochte gestern zu seiner Entlassung keinen Kommentar abgeben und verwies uns auf einen späteren Zeitpunkt.