So richtig rund lief es trotzdem nicht
HSC 2000 Coburg siegt, überzeugt aber nicht. 32:22 gegen HG Oftersheim/Schwetzingen. TW Martinsen in Hochform.
Unter den Augen des Ex-Coburgers Felix Lobedank, der die Punktspielpause in der Toyota-Handball-Bundesliga für den Abstecher zum HSC-Heimspiel nutzte, landete der HSC 2000 Coburg gegen den Tabellenvorletzten HG Oftersheim-Schwetzingen einen glanzlosen, soliden 32:22-Pflichtsieg. Denn von den Sitzen gerissen hat die Partie sicherlich keinen, was aber auch daran lag, dass die Coburger nie so richtig vom Gegner gefordert wurden. Im Positionsspiel hatten sie ab und an schon ihre Probleme, wurden aber nicht permanent gefordert. Das es ein recht lockeres Spielchen war, lag vor allem an HSC-Torhüter Havard Martinsen, dem der gegnerische Coach Michael Franz „Erstligaformat“ bescheinigte.
HSC 2000 Coburg - HG Oftersheim-Schwetzingen 32:22 (17:11)
Die Coburger verloren zwar die Platzwahl und mussten sich dadurch auf der „falschen“, nämlich auf der rechten Seite warmlaufen und spielten dadurch zunächst auch in Richtung „blauer Block“. Mancher Fan meinte, dies geschehe aus „psychologischen“ Gründen, doch hatte dies nicht diesen Hintergrund. Auf die „Psycho-Kiste“ braucht man trotz der letzten schlechten Heimleistung also noch nicht zurückzugreifen, aber gefruchtet hat dieser Platzwechsel dann doch. Ungewohnt war auch die Anfangsformation mit beiden Werner-Brüdern auf der zentralen Position und am Kreis. Piskac (angeschlagen) und Pack blieben auf der Bank.
Torarm verliefen die ersten fünf Minuten der Partie, denn das 1:0 durch Lakisa blieb fast sechs Minuten der einzige Treffer, ehe er selbst per Strafwurf zum 2:0 nachlegte. Zwischenzeitlich war dabei aber Martinsen im HSC-Tor einige Male gefordert, hielt seinen Kasten aber lange sauber.
Mit einem schulmäßigen Konter kamen die Gäste dann zum Ausgleich beim 2:2 und auch nach zwölf Minuten lag Coburg zwar mit 6:5 in Führung, aber die Gäste spielten munter mit, fanden immer wieder Lücken in der Coburger Abwehr, vor allem Mathias Polifka im linken HG-Rückraum, vier der ersten fünf Tore waren von ihm. Im Angriff hatten die HSCler aufgrund der offensiv ausgerichteten HG-Abwehr Probleme, fanden sich dann aber doch besser zurecht und nach fünfzehn Minuten gelang beim 8:5 die erste Drei-Tore-Führung. Auch ein Torwart- Wechsel beim Gegner konnte in der Folge nicht verhindern, dass sich der HSC, jetzt mit der bis dahin besten Phase und dank Martinsen im Tor absetzte, obwohl dabei zwei Konterchancen vergeben wurden, weil der Pass aus der Abwehr heraus nicht ankam. Trotzdem gelang es Coburg sich auf 11:6 abzusetzen, was HG-Trainer Franz zu einer Auszeit (19.) veranlasste. Doch das nächste Tor setzte der HSC, hinten parierte Martinsen, der Konterpass kam an und Mathias Werner verwandelte zum 12:6.
Nach 20 Minuten kam dann erstmals der leicht angeschlagene Piskac ins Spiel, der sich gleich, toll angespielt von Suma, mit dem 13:7 einführte. Der musste dann allerdings zwei Minuten auf die Strafbank. Aber auch zu sechst lief es nicht richtig rund, weil die gegnerische Abwehr weiterhin sehr offen agierte, was den Spielfluss störte. Aber immer wenn Coburg überlegt agierte, war man meist erfolgreich. Nach dem 15:8 ging die bis dahin fast vorbildliche Ordnung im Coburger Spiel etwas verloren, es ging ein bisschen so zu wie am Ende eines entschiedenen Spiel, rauf und runter ohne taktische Zwänge, doch Coburg konnte, mit einem beruhigendem Sechs-Tore-Vorsprung in die Kabine, ohne aber wirklich zu überzeugen
So ging es auch nach der Pause weiter, Coburg hielt mit einer soliden Leistung die Gäste auf Distanz. Pack, Briem, Fladt, Kästner, für den erkrankten Schuhmann im Aufgebot, und Selke hatten bis zur 41. noch keine Spielzeit erhalten, aber das war nicht unbedingt nötig, auch wenn das Spiel insgesamt recht farblos weiterlief. Den ersten richtigen Farbtupfer setzte Lendner zum 20:14 mit einem sehenswerten Heber von außen. Es ging aber auch weiterhin so manches daneben und insgesamt plätscherte die Partie auch nach 40 Minuten nur so dahin (21:15). Wenn einer Glanzpunkte setzte, war es Martinsen mit seinen Paraden im Tor, der insgesamt gesehen wohl ein erneutes Zitterspiel verhinderte.
Zu oft lief das Spiel beim HSC einfach zu sehr in die Breite, der nötige Druck aufs Tor fehlte, aber den Gegner hatte man auch weiterhin sicher im Griff, verteidigte die ungefährdete Führung. So richtig zufrieden schien Horvat bei seiner Auszeit 12 Minuten vor dem Abpfiff (24:17) aber dennoch nicht.
Coburg, bei denen Pack und Selke nach 50 Minuten eingesetzt wurden, später auch noch Jan Kästner, der zu seinem ersten Zweitligaminuten und –tor per Strafwurf kam, konnte sich beim 27:18 erstmals auf neun Tore absetzen und auch in der Schlussphase änderte sich am Spielverlauf nichts mehr. Coburg hielt die Fäden sicher in der Hand, spielte die Partie abgeklärt zu Ende. Alles andere als optimal lief die Partie für Christian Pack, der nach gerade einmal fünf Minuten Einsatzzeit nach einer unglücklichen Abwehraktion sehr hart mit der roten Karte bestraft wurde.
Ganz eilig hatte es nach dem Spiel HSC-Kreisläufer Kamil Piskac. Der machte sich schnurstracks auf den Weg zur Nationalauswahl Tschechiens. Die spielte am gestrigen Sonntag in der EM-Qualifikation gegen Frankreich und dazu wurde „Piski“ schon unter der Woche nachnominiert.
SR: Jürgen Hilfinger (Ulm) / Ralf Kroner (Senden)
HSC 2000 Coburg: Rene Selke, Havard Martinsen – Matthias Briem (n.e.), Matthias Werner (4), Ronny Göhl (3), Christian Pack, Stefan Fladt (1), Anton Lakisa (6/4), Philipp Schulz (5), Vladimir Suma (3), Michael Werner (3), Florian Lendner (5), Kamil Piskac (1), Jan Kästner (1/1). - Zeitstrafen: 4; rote Karte gegen Christian Pack (55:22); Siebenmeter: 6/5.
HG Oftersheim-Schwetzingen: Matthias Baur, Andreas Röll– Benjamin Hundt, Sergiu Dimitru (2), Mathias Heider, Holger Hubert (1), Dennis Krätz (1), Andreas Zellmer (6), Mathias Bogusch (1), Andreas Maurer (3), Mathias Polifka (5), David Ewald (1), Frank Scholl (2). – Zeitstrafen: 5, Siebenmeter: 2/2.
STIMMEN ZUM SPIEL:
HSC-Trainer Hrvoje Horvat: „Wir haben gegen solche Mannschaften auch schon verloren, deswegen bin ich insgesamt zufrieden, auch wenn wir trotzdem alles andere als fehlerfrei waren. Die Mannschaft hat nach zwei verlorenen Spielen aber die richtige Antwort gegeben. Ich habe heute deswegen anders spielen lassen, weil Piskac Probleme mit dem Knie hat und wir ja 14 gute Spieler haben. Bei Christian Pack gab es keine besonderen Gründe.“
HG-Trainer Michael Franz: „Es gibt einen einfachen Grund, warum wir, obwohl wir uns viele Chancen herausgespielt haben, so hoch verloren haben. Der heißt Martinsen und hat eine erstligareife Leistung im Coburger Tor gezeigt. 25 Chancen hat mein Team nicht genutzt, da war der Respekt vor dem HSC-Torhüter zu spüren. Spielerisch war die Partie sicher nicht hochklassig und die körperliche Überlegenheit der HSC-Spieler war letztlich von zu großem Gewicht.“
HSC-Co-Trainer Michael Weixler: „Wir haben natürlich unter Druck gestanden, mussten ja gewinnen. Spielerisch waren sicherlich Mängel vorhanden, an der kämpferischen Einstellung gibt es aber nichts zu kritisieren. Wir haben uns für Matthias Werner auf der Mittelposition entschieden, weil er aufgrund seiner Trainingsleistungen diese Chance verdient hatte.“
Quelle: http://www.hsc2000.de/