von Greenkeeper » 12.04.2010, 09:59
TV Münchberg - TS 1887 Selb 30 : 27 (13 : 10)
TV Münchberg: Florian Bär, Peter Fleischmann (Tor); Gunnar Osburg (1), Jan Lad (6), Christian Szwarc (1), Tobias Lauterbach (4), Jakob Lad (6), Christian Seiferth (1), Petr Schwab (4), Torsten Krauß (2), Stefan Baumgärtel (2), Hannes Osburg (2), Tobias Wilferth (1).
TS 1887 Selb: Vladimir Michanek, Carsten Kropf (Tor); Johannes Kempf (6), Patrik Mäsiar (4/1), Daniel Wiedel (1), Michael Pauker, Andreas Korb, Jindrich Dyk (3), Lubos Salom (3), Sven Röhrig (5), Sebastian Wölfel, Lukas Kempf, Thorsten Kirsch (4), Frank Fischer (1).
Schiedsrichter: Walter / Weinig (Gerolzhofen) leiteten ruhig und souverän
Zuschauer: 3 3 0
Zeitstrafen: Münchberg 3; Selb 5.
Spielfilm: 1:2, 2:4, 4:5, 7:5, 9:10, 13:10, 14:14, 17:15, 19:19, 23:19, 25:20, 29:22, 30:24, 30:27.
Es gibt sie noch, die sportlich fairen Szenen, die ihren berechtigten Beifall finden. Michael Pauker (TS Selb) korrigiert eine Schiedsrichterentscheidung, indem er zugibt, dass er als letzter den Ball vor überschreiten der Außenlinie berührt hat. Diese und die Tatsache, dass es ein äußerst faires Derby war, lässt den sportlichen Stellenwert im richtigen Licht erscheinen. Dass es für beides Team aber um wesentlich mehr ging, zeigt der Blick auf die Tabelle, der nach diesem Spieltag die Extremsituationen für beide Mannschaften noch deutlicher werden lässt. Nachdem Sulzbach (ein direkter Konkurrent für die TS 1887 Selb um den Ligaverbleib) die TG Landshut bezwingen konnte (Landshut ist nach dieser Niederlage punktgleich mit dem TVM auf Rang zwei und drei), haben sich die Oberpfälzer jetzt bereits 3 Zähler vor die Porzellanstädter gesetzt. Dadurch wird die Luft für Selb im Kampf und den Klassenerhalt noch dünner und es helfen aller Wahrscheinlichkeit nach tatsächlich nur noch 3 Siege, um den Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen. Der Blick aus Münchberger Sicht richtet sich in eine ganz andere Richtung. Wer vor Saisonbeginn prognostiziert hätte, dass den Grün-Schwarzen drei Spieltage vor Saisonende ein direktes Aufeinandertreffen um Platz zwei, der bekanntlich zur Relegation um den Bayernligaufstieg berechtigt, bevorsteht, den hätte man mehr oder weniger berechtigterweise für sportverrückt erklärt. Und wer im Nachhinein diesen jetzt tatsächlich noch möglichen Bayernligaaufstieg als Saisonziel betrachtet, der greift nicht nur eine ganze Etage zu hoch, sondern schielt über den Tellerrand der Realität deutlich hinweg. Das Plansoll aus Münchberger Sicht ist mit dem jetzt schon sicheren dritten Tabellenplatz übererfüllt. Und genau an dieser Stelle trennen sie sich wieder, die Wege und auch die an diesem Tage gebotenen Darbietungen der beiden Kontrahenten aus der Region. Während die Gäste in der Anfangsphase einen durchaus couragierten Eindruck hinterließen, wurde im weiteren Verlauf immer deutlicher, dass einstige Selber Leistungsträger in die Jahre gekommen sind. Lubos und Mäsiar gehören zwar noch zu den Führungsspielern im Selber Team, doch ihre einstige Gefährlichkeit beschränkt sich auf zwar gekonnte, aber ebenso wenig entscheidende Nadelstiche in Richtung Gegner. Lukas Kempf versucht auf seiner Position immer wieder in die Bresche zu springen und war zusammen mit Sven Röhring einer der wenigen, die etwas Mehr Licht als Schatten an diesem Tage boten. Zudem profitierte der Gästeangriff in der Anfangsphase von den Ideen und guten Anspielen von Sebastian Wölfel, der nach seinem frühen verletzungsbedingten Ausscheiden eine schmerzliche Lücke hinterließ. Zudem konnte Vladimir Michanek im Selber Kasten nur bis zum 2:4 bzw. 4:5 wirklich überzeugen. Dann wurde er von den phasenweise überragenden Münchberger Stürmern immer mehr ausgeguckt und hatte gegen die knallharten Distanzwürfe (Jan Lad, Petr Schwab) nicht den Hauch einer Chance. Aber in der Summe reichte es bis über die Mitte der ersten Hälfte für die Gäste aus, um die Begegnung vom Ergebnis her ausgeglichen zu gestalten, ja sogar nochmals mit 9:10 in Front zu ziehen. Ab der Endphase von Halbzeit eins wurde immer deutlicher, warum beide Lokalrivalen derzeit Welten in der Tabelle trennen. Während bei den Porzellanstädter in ihrer prekären Lage die fehlende Körpersprache erkennbar wurde, agierten die Gastgeber im weiteren Verlauf mit immer breiterer Brust. Seit Wochen muss Münchberg mit Daniel Winterstein, Martin Lad und Christoph Bär auf drei seiner besten Spieler verzichten. Von einem Bruch im Spiel ist absolut nichts zu erkennen. TVM-Spielertrainer Christian Seiferth kann Dank einer hervorragende A-Jugend (spielte in dieser Saison Bayernliga und hat dort mächtig an Erfahrung dazugelernt) aus den Vollen schöpfen. Er baut die Nachwuchskräfte ins System ein und diese überzeugen nicht nur durch ein schon gutes Abwehrverhalten. Sie bringen Druck nach vorne, setzen schon jetzt ihre Akzente und schließen die entstandenen Lücken fast nahtlos. Dies machte sich vor allem ab Mitte der zweiten Hälfte immer deutlicher bemerkbar. Hielt Selb zwar lange Zeit vom Ergebnis her das Geschehen offen, so blieb den Fans in der Derbysatmosphäre der gut gefüllten Münchberger Gymnasiumhalle nicht verborgen, dass die Hausherren weit klarer das Geschehen beherrschten, als es die jeweiligen Zwischenstände bestätigten. Und dann kamen die letzten 20 Minuten, die zeigten, warum der TVM seine fantastische Serie auf jetzt 19:1 Punkte ausgebaut hat. Jakob Lad leitete mit einem lupenreinen Hattrick eine minutenlange Galavorstellung der Hausherren ein. Selbst ein Klassetorwart wie Vladi Michanek ging entnervt aus seinem Gehäuse und machte für Carsten Kropf platz, der mit etlichen Paraden dafür sorgte, dass es nicht noch dicker für die Porzellanstädter kam. Über 23:19, 29:22 setzt sich die Seiferth-Schützlinge bis auf 30:24 ab und steuerten einen Schützenfest entgegen, dass sie in den Schlußminuten mit einer Serie von vergebenen Möglichkeiten letztlich selbst verhinderten. So gewann der TVM mit 29:27 in der Vorrunde in Selb und jetzt im Rückspiel mit 30:27 in Münchberg mit fast genau identischen Ergebnissen. Die Spielkulturen beider Mannschaften haben sich zwischenzeitlich aber weit auseinanderentwickelt. Während Selb mit gewaltiger Leistungssteigerung alles geben muss um die Klasse zu halten, ist Münchberg zu einem Spitzenteam gereift. Zu den Leistungsträgern gesellen sich jetzt die "jungen Wilden", die auf einem sehr guten Weg sind und vor allen Dingen eines nicht haben und das ist die Angst vor dem Gegner, was bekanntlich Berge versetzen kann. Und darauf wird sich auch die TG Landshut am kommenden Samstag im direkten Aufeinandertreffen im Kampf um Platz zwei einstellen müssen.