Taktisches Foul rettet Burghausen das Unentschieden
In einem schnellen, emotionsgeladenen und überwiegend fair geführten Spiel trennten sich am Samstag die Handball-Bezirksoberligisten MTV Pfaffenhofen und SV Wacker Burghausen mit einem alles in allem gerechten 29:29-Unentschieden.
Die erste Halbzeit
Gleich zu Beginn der Begegnung versuchten die Gäste, ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden. Sie gingen als Tabellenvierter in die Partie — warum sollte der Sechste ihnen gefährlich werden können? Zwei, drei Minuten hielten die MTV-Spieler noch gut mit (3:4, 5.), dann zogen die Gäste, immer wieder angetrieben durch Uli Reffle, auf 3:7 davon.
Beeindrucken ließen sich die Spieler von MTV-Trainer Dieter Auernhammer davon indes nicht lange: es waren noch keine zehn # Spielminuten vergangen, da stellten die Gastgeber durch Rückraumtreffer von Dominik Mooser und Stefan Einödshofer sowie einen Konter von Christian Haslauer den 6:7-Anschluss wieder her.
Die Partie verlief weiter auf schnellem Niveau, und die Gäste hatten weiter die besseren Nerven: während der MTV eine Möglichkeit zum Ausgleich per Siebenmeter vergab, nutzten die Gäste die sich ihnen bietenden Chancen effektiver: vom 10:11-Zwischenstand zogen sie binnen fünf Minuten auf 10:14 davon.
Dennoch gab die Heimsieben nicht auf, und Benedikt Schmidt und Matthias Mähner sorgten dafür, dass beim 15:16 der Rückstand des MTV zur Halbzeit nur einen Zähler betrug.
Die zweite Halbzeit
Durchgang Zwei begann furios: Steve Göthel fischte den Auftaktangriff der Gäste und verwandelte den Konter selbst zum 16:16-Ausgleich.
Bis zur 40.) Spielminute hielten die Gastgeber das 21:21-Unentschieden, dann wäre die Partie den Schiedsrichtern fast entglitten: zunächst erhielt der Burghausener Spieler Rainer Biedersburger wegen Foulspiels eine Zeitstrafe, dann folgte ihm nur eine knappe Minute später Sebastian Lumer auf die Bank nach, weil er die Ausführung des entsprechenden Freiwurfs verhinderte.
Dies erregte wiederum SVW-Trainer Oliver Nagel, der lautstark reklamierte und dafür "Gelb" erhielt — als seine Proteste nicht verstummten, zeigten die Schiedsrichter ihm gar "Rot". Als sich die Lage schließlich entspannte, spielten dennoch vier Burghausener Feldspieler gegen sechs Pfaffenhofener. Wirklich spielentscheidend aber war diese Regelauslegung — eigentlich hätte ein weiterer Gästestürmer die Bank drücken müssen — nicht: es waren immerhin noch zwanzig Minuten zu absolvieren.
Doch auch so nutzten die Gastgeber die neue Chance: Göthel brachte seine Farben erstmals in der Begegnung in Front, und Fabian Kugler ließ die Treffer zum 24:21 folgen. Mehr aber machten die MTV-Spieler nicht aus ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit, und sobald sie wieder aufgefüllt hatten, egalisierten die Gäste — weiterhin lautstark und gestenreich angetrieben von dem auf die Tribüne "verbannten" Trainer Nagel — erneut zum Unentschieden (24:24).
Auch wenn die Zwischenstände weiterhin so knapp blieben wie in den vergangenen 45 Spielminuten — das Blatt hatte sich gewendet: nun ging die Heimsieben immer wieder in Führung, und den Gästen blieb nur der Ausgleich. So verlief die Begegnung während der ganzen Schlussviertelstunde, bis zum Spielstand von 29:29.
Mit dem letzten Angriff der Partie stürmte schließlich Göthel allein auf weiter Flur dem gegnerischen Gehäuse entgegen, bis er bei etwa der Neunmeter-Linie von hinten von Biedersburger umgerissen wurde — "ohne Chance, den Ball zu spielen", wie im Spielberichtsbogen vermerkt wurde.
Für dieses taktische Foul in letzter Sekunde wurde der Burghausener zwar disqualifiziert, die Kontermöglichkeit und Torchance aber war vertan. Da die Schiedsrichter einen weiteren MTV-Spieler zwischen Göthel und dem SVW-Torwart gesehen hatten, entschieden sie schließlich zwei Sekunden vor dem Abpfiff auf Neunmeter-Freiwurf. Dieser brachte nichts mehr ein, es blieb beim 29:29.
Das Fazit der Trainer
"Die letzte Aktion, so analysierte Auernhammer nach dem Abpfiff, hat wieder gezeigt, dass die Burghausener einfach cleverer agieren — wenn es nur so noch zum Punktgewinn reicht, begehen sie auch taktische Fouls und nehmen die Bestrafung einfach in Kauf!"
Dennoch: die Frage, ob das Unentschieden über das ganze Spiel gesehen ein Punktverlust oder -gewinn sei, beantwortete der MTV-Trainer mit einem Wort: "Beides". Große Teile des Spiels hätten die Gäste zwar nicht unbedingt dominiert, aber doch den Ton angegeben, während der letzten zwanzig Spielminuten aber hätten seine Spieler zugelegt und die Burghausener an den Rand der Niederlage gebracht.
Für den MTV Pfaffenhofen spielten (Tore / Siebenmetertore):
Tobias Hartmair, (1 Tor.) — Michael Stadler, Christoph Breu, Sven Mayer, Martin Maier, Cornelius Miller, Stefan Einödshofer, (3 Tore.) Benedikt Schmidt (4 Tore.), Steve Göthel (5 Tore.), Christian Haslauer (5 Tore.), Fabian Kugler (6/1), Michael Hiermeier (1 Tor.), Matthias Mähner (1 Tor.), Dominik Mooser (4 Tore.)
Quelle: www.holgerhamelmann.de/handball
