"Das Zigeunerleben akzeptieren"
SVH-Trainer Adalsteinn Eyjolfsson im Interview
Die Lage ist ernst: Der Isländer Adalsteinn Eyjolfsson würde gern Trainer der SVH Kassel bleiben. Er will mit dem Klub in die neue eingleisige 3. Handball-Liga. Foto: Fischer
Von Gerd Brehm
Kassel. Seitdem die MEG Handball Spielbetriebs- und Marketing GmbH Insolvenz angemeldet hat, muss die SVH Kassel mit noch vor wenigen Wochen nicht erwarteten Problemen fertig werden. Über die Lage beim Handball-Regionalligisten haben wir mit Trainer Adalsteinn Eyjolfsson gesprochen.
Herr Eyjolfsson, haben Sie noch Lust auf Handball bei der SVH Kassel?
Adalsteinn Eyjolfsson: Ich weiß doch auch nicht wie es weitergeht. Also muss ich abwarten und weiterhin meine Arbeit machen. Und das geht nur, wenn ich dazu Lust habe.
Bereuen Sie es, vor etwa einem Jahr die Stelle als Trainer der SVH Kassel angetreten zu haben?
Eyjolfsson: Nein. Bis zum vergangenen Mittwoch waren die Bedingungen bei der SVH für mich optimal. Ich bin vor einem Jahr nach Kassel gekommen, und ich möchte dieses Jahr nicht missen. Es ist im Sport nicht ungewöhnlich, dass ein Engagement nicht dauerhaft ist. Wer diesen Beruf gewählt hat, der muss auch das Zigeunerleben akzeptieren.
Am Samstag spielt die SVH gegen den Tabellen-13. SF Budenheim. Wissen Sie schon, welche Spieler Ihnen für diese Partie zur Verfügung stehen?
Eyjolfsson: Ja. Nico Greiner ist verletzt, aber alle anderen Spieler werden mitmachen.
Ihr bisheriger Kapitän Alexander Koke spielt schon am Samstag für den Zweitligisten ThSV Eisenach. Gibt es weitere Angebote für andere Spieler?
Eyjolfsson: Ja. Die VTZ Saarpfalz hat einige unserer Spieler angesprochen, aber bisher hatten die Saarländer wohl keinen Erfolg.
Welcher Klub hat sich bisher bei Ihnen gemeldet?
Eyjolfsson: Verrate ich nicht. Ich spreche derzeit nicht mit anderen Vereinen.
Vor zehn Tagen hat die MEG Handball-Spielbetriebs- und Marketung GmbH Insolvenz angemeldet. Kam das für Sie aus heiterem Himmel oder mussten Sie mit einer Hiobsbotschaft rechnen?
Eyjolfsson: Aus heiterem Himmel kam das nach Gökers Rückzug natürlich nicht. Aber nach der Übernahme der MEG AG von der Aragon AG war ich beruhigt und dann wiederum überrascht, dass unsere MEG Handball Spielbetriebs- und Marketing GmbH Insolvenz anmelden musste.
Wie motivieren Sie die Mannschaft in dieser schwierigen Situation?
Eyjolfsson: Wir haben jetzt ein neues Ziel. Wir wollen unter die ersten zehn Mannschaften der Regionalliga kommen, um dann in der neuen eingleisigen 3. Liga spielen zu können.
Es ist nicht auszuschließen, dass sie noch im Laufe dieser Saison eine Mannschaft zur Verfügung haben werden, die nicht wettbewerbsfähig ist. Werden Sie in einem solchen Fall überhaupt noch antreten?
Eyjolfsson: Eine solche Situation wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Deswegen beschäftige ich mich mit dieser Frage derzeit nicht. Ich mache meinen Job, solange ich meinen Job machen darf.
Was sagen Sie einem Handball-Fan, der überlegt, was er am Samstagabend macht. Warum soll er sich das Spiel gegen Budenheim anschauen?
Eyjolfsson: Ich sage, dass wir Hilfe brauchen. Auch die Hilfe der Zuschauer. Solange noch ein Funken Hoffnung da ist, darf niemand aufgeben. Auch die Zuschauer nicht.
Die SVH-Handballmannschaft muss spätestens im kommenden Sommer neu aufgebaut werden. Ist das eine reizvolle Aufgabe für Sie?
Eyjolfsson: Grundsätzlich ja, aber ich muss mir natürlich die neuen Bedingungen anschauen. Wichtig ist auch, ob Spieler bleiben und ob talentierte neue Spieler kommen. Ich würde gern in Kassel bleiben und werde nur gehen, wenn mich die SVH nicht mehr haben will oder wenn ich von einem anderen Klub ein Angebot bekomme, das ich nicht ablehnen kann.
Obwohl angeblich "auf absehbare Zeit" nur Koke wechselt, wird das Ziel von "Meister" und "Europapokal 2012" auf "Qualifikation 3. Liga", also Platz 10 zurückgeschraubt?!
Leider hat die HNA (mal wieder) nicht die entscheidenden Fragen gestellt: Wären denn die Spieler bereit auf Geld zu verzichten? Ist denn das Insolvenzgeld überhaupt gesichert (Wie bereits ausgeführt, hat die SVH Kassel ja gemäß Handelsregister eigentlich überhaupt nichts mit dem Unternehmensgegenstand der MEG Spielbetriebs GmbH zu tun, so dass eigentlich die Gelder der Beitragszahler zur Insolvenzgeldumlage nicht hierfür verpulvert werden dürften)?
Sicher ist richtig, dass die SVH Kassel Hilfe bräuchte. um aus dieser selbst verschuldeten Situation heraus zu kommen. Wer jedoch sich mit so jemandem wie dem ehemaligen Hauptsponsor überhaupt einläßt, hat überhaupt keine Hilfe verdient. Vielmehr sollten diejenigen, die dieses Hasardeurspiel ins Leben gerufen haben, für eventuelle Haftungsschäden persönlich in Anspruch genommen werden.
