Die Initiative ging von »Jojo« aus
Warum Joszef Szentgyörgyi den TSV Partenstein verlässt - Lieber spricht von »fehlendem Charakter«
Bereits zum 1. Januar wechselt der Top-Spieler des Handball-Landesligisten TSV Partenstein, Joszef Szentgyörgyi, zum Liga-Konkurrenten DJK Waldbüttelbrunn. Wie gestern gemeldet, verliert der derzeitige Tabellendritte nach nur einem halben Jahr seinen wichtigsten Akteur und ist damit ab sofort sportlich erheblich geschwächt.
Harald Lieber, der Teammanager des TSV, bestätigte gestern Mittag den Verlust des Ungarn. »Vor drei Wochen teilte er mir mit, dass er nach Waldbüttelbrunn wechseln wird.« Es sei nicht möglich gewesen, »Jojo« zu bewegen, wenigstens die Runde 2010/2011 in Partenstein zu beenden. »Auch konnten und wollten wir nicht das Gehalt, dass er in Waldbüttelbrunn bekommt, bezahlen«, fügt Lieber hinzu. Natürlich geht es vor allem ums Geld - und einen fehlenden Arbeitsplatz. Szentgyörgyi ist gelernter Winzer und absolviert derzeit ein Fernstudium der Lebensmitteltechnik.
Doch nicht unbefristet
Laut Harald Lieber begann die »Geschichte Szentgyörgyi« mit einem Missverständnis im März, als ihm der Spieler vor seinem Wechsel vom TuS Helmlingen (Oberliga Baden-Württemberg) zusicherte, eine unbefristete Arbeitserlaubnis zu haben. Da der 26-Jährige zuvor jedoch über eine Firma in Ungarn und zwei Jahre als Praktikant abgerechnet wurde, war dies nicht der Fall. »Es hätte einer Firma bedurft, die über Kontakte nach Ungarn verfügt, so hätte man eine Beschäftigung rechtfertigen können«, erklärt Lieber. Dies sei offenbar der DJK Waldbüttelbrunn nun gelungen. »Ab Mai hätte einer Beschäftigung bei uns nichts mehr im Wege gestanden, doch so lange wollte er nicht mehr warten«, so Lieber.
»Wabü« hat Szentgyörgyi tatsächlich einen Job vermittelt, für den er auch eine Arbeitserlaubnis bekommen hat, bestätigte gestern DJK-Sportchef Winfried Körner. Als das klappte, entschloss sich der Rechtshänder, der bis 10. Januar Urlaub in der Heimat macht und für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, zum Wechsel und unterschrieb bei der DJK einen Vertrag für eineinhalb Jahre.
Dem Spieler, der die Runde nicht in Partenstein zu Ende spielen wollte, wirft Harald Lieber nun fehlenden Charakter vor, »weil ihn die restliche Mannschaft nicht interessiert«. Diese habe indes erklärt, die Runde so weiter zu spielen, auch ohne Neuzugänge in der Winterpause. In einer Sitzung nach Weihnachten wird über das weitere Vorgehen verhandelt. Zugänge sind laut Lieber nicht geplant.
Wirth zeigt Verständnis
TSV-Trainer Manfred Wirth zeigt sich ebenfalls enttäuscht, attestiert jedoch »Jojo« Szentgyörgyi in der Halle und auf dem Platz »stets ein einwandfreies Verhalten.« Auch von Charakterschwäche möchte Wirth nicht zu viel hören. Ein wenig resigniert, gesteht er seinem Spieler zu, dass »jeder sehen muss, wo er bleibt.« Wo die Fehler gemacht wurden, hinterfragt Wirth kritisch und verweist auf das Management, das den Missstand der fehlenden Arbeitserlaubnis normalerweise hätte erkennen müssen.
Vollkommen überrascht sei er gewesen, als vor etwa vier Wochen die ersten Gespräche bezüglich eines Wechsels stattgefunden hatten. »Für die Mannschaft natürlich eine Katastrophe«, kommentiert Wirth seine allseits bekannte personelle Not in Partenstein.
Winfried Körner sieht die Dinge ein wenig gelassener. »Jojo ist auf uns zugekommen, und suchte ein Gespräch mit unserem Trainer Karoly Kovacs,«, so Körner. Das Hauptanliegen des Rückraumspielers sei dabei der fehlende Arbeitsplatz gewesen, der von Partensteiner Seite bis November zugesichert war. Körner geht davon aus, dass sich Partenstein darauf verlassen hat, bis Mai über die Runden zu kommen, bis Ungarn vollwertiges Mitlgied der Europäischen Union sein wird. »Vielleicht haben sie den Aufwand ein wenig gescheut, wir haben uns sehr bemüht«, betont Körner.
Der DJK-Sportchef kontert
Die Abwerbevorwürfe des Partensteiner Managers kontert Körner mit den Worten, »er hätte seine Hausaufgaben besser machen müssen.« Von Waldbüttelbrunn sei keine Abwerbeaktion gekommen, Auslöser sei die Unzufriedenheit des Spielers gewesen. Dennoch hofft er auf ein weiter gutes Verhältnis zum TSV und zu dessen Trainer Manfred Wirth, der selbst sieben Jahre erfolgreicher Trainer in »Wabü« war. Nicht böse ist Körner über die zweimonatige Sperre und das Fehlen von Szentgyörgyi im Rückspiel gegen Partenstein am 12. Februar.
»Ein Führungsspieler wie er hat uns gefehlt, wir wollten ein Zeichen setzen für die Zukunft«, verteidigt Körner den schnellen Wechsel. »Wenn sich so eine Gelegenheit ergibt, muss man sie nutzen.«
Bericht: Steffen Schreck, Foto: Steffen Anderlohr und Yvonne Vogeltanz
Dies schreibt Sportfreund Uli Sommerkorn von der Main-Post zu diesem Wechsel:
Szentgyörgyi wechselt zu Liga-Konkurrent
Ungarischer Rückraumspieler des TSV Partenstein trägt nach der Winterpause das Trikot der DJK Waldbüttelbrunn
Handball-Landesligist TSV Partenstein verliert in der Winterpause seinen stärksten Spieler - Joszef Szentzgyörgyi verlässt den Tabellendritten und wechselt zum Liga-Konkurrenten DJK Waldbüttelbrunn. Der Ungar war erst im Sommer zu den Spessartern gekommen und hatte großen Anteil daran gehabt, dass die Mannschaft von Trainer Manfred Wirth über viele Wochen die Tabelle angeführt hatte. Doch die 23:29-Niederlage am Sonntag in Coburg wird der letzte Auftritt des Rechtshänders im Partensteiner Trikot gewesen sein.
Klar, dass man auf Seiten der Spessarter wenig begeistert über den Abgang ist. „Nun ist es schon im Amateurbereich wie bei den Profivereinen, dass man in der Winterpause Handballspieler von Mitkonkurrenten abwirbt“, schreibt TSV-Manager Harald Lieber in einer Pressemitteilung, der von Szentgyörgyi vor drei Wochen über dessen Wechselabsicht informiert worden sei. „Es war uns nicht möglich, ihn zu bewegen, wenigstens die Runde 2010/2011 in Partenstein zu beenden. Auch konnten und wollten wir nicht das Gehalt, das er in Waldbüttelbrunn bekommt, bezahlen. Laut eigener Aussage möchte Waldbüttelbrunn unbedingt wieder sofort in die Bayernliga aufsteigen, und da holt man sich doch mal gerne den besten Spieler vom Tabellenführer.“ Spitzenreiter ist der TSV aber mittlerweile nicht mehr, Partenstein hat die letzten drei Partien verloren.
Lieber zu den Gründen für den Wechsel: Beim ersten Gespräch im März 2010 habe Szentgyörgyi erklärt, da er sich schon seit vier Jahren in Deutschland befinde, eine Arbeitserlaubnis zu besitzen. „In Nachhinein stellte sich dann heraus, dass er keine unbefristete Arbeitserlaubnis für Deutschland hatte. Leider war es für uns nicht möglich, eine passende Arbeitsstelle für ihn zu bekommen“, so Lieber.
Dass der Rückraumspieler selbst an seinen Verein herangetreten sei, berichtet Winfried Körner, Sportvorstand der DJK Waldbüttelbrunn. „Er war unzufrieden in Partenstein. Ihm ist Arbeit zugesagt worden, und das konnte der Verein scheinbar nicht realisieren“, so Körner. Deshalb habe sich Szentgyörgyi an DJK-Trainer Karoly Kovacs, einen ungarischen Landsmann, gewandt und gefragt, ob ihm dessen Klub eine Arbeit vermitteln könne. Als das gelang, entschloss sich der 25-Jährige, der sich bis 10. Januar auf Urlaub in der Heimat befindet, zum Wechsel und unterschrieb bei der DJK einen Vertrag für eineinhalb Jahre.
„Es tut mir leid für Partenstein, ich hoffe, dass das Verhältnis zwischen den Vereinen nicht leidet. Ich weiß selbst, was es für eine Arbeit macht, einen solchen Spieler zu holen“, erklärt Körner, dessen Team als Tabellenfünfter schon etwas Rückstand auf Aufstiegsplatz eins und Relegationsrang zwei besitzt. Zudem wird der Waldbüttelbrunner Neuzugang zu Beginn der Rückrunde noch nicht zur Verfügung stehen, Szentgyörgyi erhält eine zweimonatige Sperre. Das heißt: Auch im Rückspiel gegen Partenstein am 12. Februar 2011 wird der Ungar nicht dabei sein. „Darüber“, so erklärt Körner, „bin ich auch ganz froh.“
