Die ewig jungen Dauerbrenner
Handball-Landesliga | Die starken Routiniers Vladimir Michanek und Patrick Mäsiar verschaffen der TS Selb einen furiosen Start und frühzeitig die uneinholbare Führung gegen rasch entnervte Ansbacher.
Der Prüfstein war keiner, und der Prüfling hat gezeigt, dass er für schwerere Aufgaben gerüstet ist. Gestützt auf eine höchst kompakte Abwehr und einen überragenden Torhüter Vladimir Michanek, hat die TS Selb bei der höchst gelungenen Saisonpremiere dem ehrgeizigen Aufsteiger HG Ansbach schon vor der Pause mit variablem und schnellem Angriffsspiel den Nerv gezogen.
TS Selb: M. Michanek, C. Kropf - J. Kempf (2), L. Kempf, Kirsch (1), Korb, M. Kropf (2), Mäsiar (10/3), M. Michanek (3), Röhring (1), Salom (5), Wiedel, Wölfel (2), Zumpe (2).
Schiedsrichter: Duscher/Kwasny (Neunburg/Regensburg). - Zuschauer: 250. - Siebenmeter: Selb 6/3, Ansbach 7/3, - Zeitstrafen: Selb 2, Ansbach 3.
Ansbach ratlos und haltlos
Samstag, 16.30 Uhr, 22 Minuten sind gerade gespielt: Beim Blick auf die Anzeigentafel reiben sich die Besucher in der Roland-Dorschner-Halle verwundert die Augen: 15:4 lautet der Zwischenstand nach einem furiosen Start der Gastgeber. Zwei scheinbar ewig junge Dauerbrenner im TS-Team haben die Partie schon nach gut einem Drittel der Spielzeit entschieden: ein kaum zu überwindender Schlussmann Vladimir Michanek und ein kaum zum bremsender Wirbelwind Patrick Mäsiar. Neun gehaltene freie Bälle des wohl besten Torhüters der Liga und sieben Treffer des Linksaußen, nicht nur von seiner Stammposition aus: Ansbach war vorne ratlos und hinten haltlos.
Wenn es eine Schlüsselszene gab, dann in der 10. Minute. Bis dahin hatten die Gäste einigermaßen mitgehalten und nun die Chance, auf 5:6 zu verkürzen, per Strafwurf. Michanek parierte diesen und den Nachwurf, und es folgten für Ansbach deprimierende 16 Minuten ohne Torerfolg. Die Selber hingegen, zunächst neben Mäsiar vor allem Kreisläufer Lubos Salom, nutzten fast jede Chance gegen eine überforderte HG-Hintermannschaft. Neben den drei Genannten und höchst konzentrierter Abwehrarbeit hatte der einzig wirklich Neue im Selber Team Anteil an der hohen Führung: Sebastian Wölfel. Der Linkshänder war vom Anpfiff weg höchst präsent und überzeugte mit einigen überraschenden Zuspielen und zwei schönen Treffern.
Die Darbietung vor der Pause bestätigte, was Trainer Horst Roch seinen Mannen nach der intensiven Saisonvorbereitung bescheinigt hatte. Sie stehen hinten sicher und spielen nach vorne noch variabler als in der vergangenen Saison. Mit sehenswerten Spielzügen nahmen sie den eher lockeren Ansbacher Deckungsverband fast nach Belieben auseinander, und im entscheidenden Moment zeigten sie sich höchst konzentriert und helle, wie etwa Salom bei einem reaktionsschnellen Abstaubertor. Auch bei den zahlreichen Kontern unterlief den Gastgebern kaum ein Fehler. Und die Ansbacher Torleute mussten fast jeden Ball passieren lassen, der auf ihr Gehäuse kam. Gegenüber Michanek, der in 45 Einsatzminuten 17 Würfe parierte und nur zehn durchlassen musste, sorgte nach dem 15:4 mit weiteren drei Paraden dafür, dass Ansbach erst in der 27. Minute zu seinem Treffer Nummer fünf kam.
Für Kunstadt gerüstet
Fortan ließ es die TS Selb etwas gemächlicher angehen, ohne ihre Linie zu verlieren. Bei 19:8-Führung vollendete Johannes Kempf eine sehenswerter Kombination über die Stationen, und zum 20:9 nach 42 Minuten traf erstmals Sven Röhring, der Rückkehrer nach fast einjähriger Verletzungspause. Nun durften auch andere ran, während Mäsiar vom Strafwurfpunkt zwei Mal die Chance vergab, seine Trefferquote auf über zehn zu schrauben. Thorsten Kirsch, Martin Michanek, Marcus Kropf und Rick Zumpe zeigten, dass sich Selb nicht nur auf einen Rekordwerfer und einen schwer überwindlichen Hüter stützen kann.
Die Basis für einen gelungenen Saisonstart hat die TS gelegt, ist für die Auswärtspartie am kommenden Samstag in Kunstadt gerüstet und könnte sich danach in Heimspielen gegen Cham und Landshut erst einmal in Richtung Ligaspitze orientieren. Sind diese Partien vorbei, dann dürfte auch die Antwort auf die Frage leichter fallen: War nun Selb so stark oder Ansbach so schwach?
